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Peritonsillar-, Parapharyngeal- und Retropharyngealabszess

Letzte Aktualisierung: 1.11.2024

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Peritonsillar-, Parapharyngeal- und Retropharyngealabszesse sind Krankheitsbilder mit anatomischer Nähe zueinander, die aufgrund ihres klinischen Erscheinungsbildes schwer zu differenzieren sind, sich jedoch insb. hinsichtlich des Manifestationsalters unterscheiden.

Der häufige Peritonsillarabszess entsteht i.d.R. als Abszedierung der Weber-Drüsen (posteriore muköse Speicheldrüsen) am oberen Tonsillenpol und kommt meist im jungen Erwachsenenalter vor. Kontrovers diskutiert wird die bisherige Annahme, dass er oft als Komplikation der rezidivierenden Tonsillitis auftrete. Die Patient:innen klagen über Halsschmerzen, Schluckstörungen und Kieferklemme (Trismus). Die Diagnose kann meist klinisch durch eine Inspektion des Rachens mit charakteristischer Gaumenbogenvorwölbung gestellt werden. Als erste Therapieoption bei Peritonsillitis bzw. beginnendem Abszess erfolgt eine kalkulierte Antibiotikatherapie, bei vorhandenem Abszess oder Antibiotikaversagen ist jedoch zusätzlich eine chirurgische Intervention notwendig.

Der Parapharyngealabszess tritt ebenfalls im jungen Erwachsenenalter auf, häufig als Komplikation eines Peritonsillarabszesses. Da es sich durch Verlegung der Atemwege einerseits und Mediastinitis- und Sepsisgefahr andererseits um ein lebensgefährliches Krankheitsbild handelt, erfolgt immer eine eilige Abszessdrainage mit simultaner Antibiotikatherapie.

Der seltene Retropharyngealabszess betrifft insb. Kleinkinder, meist infolge eines Racheninfektes mit zervikaler Lymphknoteneinschmelzung. Die richtige Diagnosestellung ist aufgrund der variablen Symptomatik schwierig. Typische Warnsymptome sind Kopfbewegungseinschränkung, Torticollis und Halsschwellung mit Fieber und erhöhten Entzündungszeichen im Blut. Wie beim Parapharyngealabszess besteht auch hier dringender Therapiebedarf mit Abszessdrainage und simultaner Antibiotikatherapie.

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Definitiontoggle arrow icon

  • Peritonsillarabszess: Abszess zwischen Tonsille und Tonsillenkapsel
    • Abzugrenzen vom Intratonsillarabszess: Abszess innerhalb des Tonsillenparenchyms
  • Parapharyngealabszess: Abszess außerhalb der Tonsillenkapsel im Parapharyngealraum, häufig als Komplikation eines Peritonsillarabszesses
  • Retropharyngealabszess: Abszess im Retropharyngealraum, häufig infolge retropharyngealer Lymphadenitis und nicht von den Tonsillen ausgehend [1]
  • Peripharyngealabszess: Überbegriff für Parapharyngeal- und Retropharyngealabszesse

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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Peritonsillarabszess: Meist junge Erwachsene betroffen, aber in jedem Alter möglich
    • USA: Altersgipfel 5–59 Jahre mit Inzidenz 30:100.000 Einwohner [2]
    • Schweden: Altersgipfel 14–21 Jahre mit Inzidenz 124:100.000 Einwohner [3]
  • Parapharyngealabszess: Meist Erwachsene betroffen, aber in jedem Alter möglich
  • Retropharyngealabszess: Vor allem Kleinkinder (insb. ≤2 Jahren) betroffen, nach dem 6. Lebensjahr selten

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

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Symptomatiktoggle arrow icon

Warnsymptome eines Peritonsillar-, Parapharyngeal- oder Retropharyngealabszesses beim Kleinkind sind Halsschwellung, Kopfbewegungseinschränkung und Torticollis!

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Diagnostiktoggle arrow icon

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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Therapietoggle arrow icon

Allgemeine Maßnahmen

Kalkulierte Antibiotikatherapie [6][8]

Eine systemische Antibiotikatherapie ist bei Peritonsillar-, Parapharyngeal- und Retropharyngealabszessen immer(!) indiziert, auch simultan zu chirurgischen Maßnahmen!

Chirurgische Maßnahmen

Ein Para- oder Retropharyngealabszess stellt immer(!) eine OP-Indikation dar!

Insb. bei Para- oder Retropharyngealabszessen ist häufig eine intensivmedizinische Betreuung erforderlich!

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Komplikationentoggle arrow icon

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Meldepflichttoggle arrow icon

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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