Zusammenfassung
Der Kehlkopf ist ein knorpeliges Verbindungsstück bzw. Verbindungsorgan zwischen Luftröhre und Rachenraum. Seine zentralen Aufgaben sind die Trennung des Luft- vom Speiseweg (Protektionsfunktion) sowie die Erzeugung der Stimme (Phonationsfunktion), wodurch das Sprechen ermöglicht wird. Zusammen mit dem Hören zählt das Sprechen zu den wichtigsten Kommunikationsmitteln des Menschen.
Das Skelett des Kehlkopfs besteht aus mehreren Knorpeln, die über Muskeln und Bänder gelenkig miteinander verbunden sind. Zwei dieser Bänder ziehen quer durch den Kehlkopfschlauch und formen die Stimmritze. Atmen, Flüstern und Sprechen sind jeweils bestimmten Stellungen der Stimmritze zugeordnet. Die im Kehlkopf entstandenen Laute müssen allerdings erst im Nasen-Rachen-Raum umgeformt werden, damit verstehbare Sprachlaute entstehen.
Makroskopische Anatomie des Kehlkopfes (Larynx)
Der Kehlkopf (Larynx) ist ein Schleimhautschlauch, der durch Knorpelplatten offengehalten wird. Er verbindet die Luftröhre mit dem Rachenraum und besteht aus gelenkig miteinander verbundenen Knorpelanteilen. Diese können über spezialisierte Muskeln bewegt werden, um die Stimmritze für die Phonation eng oder weit zu stellen. Von außen ist ein Teil des sog. Schildknorpels als sichtbarer Vorsprung (sog. Adamsapfel) zu sehen.
Steckbrief
- Bestandteile und Funktionen
- Knorpel
- Schildknorpel und Ringknorpel: Setzen die Trachealknorpel nach kranial hin fort
- Stellknorpel und Spitzenknorpel: Bilden die bewegliche Aufhängung der Stimmbänder
- Kehldeckelknorpel: Dient dem Verschluss des Larynx beim Schlucken
- Muskeln: Bewegen die Knorpelanteile bei der Phonation und dem Schlucken
- Bänder: Schallerzeugung und Stabilisierung des Kehlkopfes
- Knorpel
- Lage: Zwischen Hypopharynx (Schlundrachen) und Trachea (Luftröhre)
Knorpel und Gelenke
Das Gerüst des Kehlkopfs besteht aus verschiedenen Knorpelplatten, die gelenkig miteinander verbunden sind. Die Gelenke ermöglichen bereits geringfügige Dreh- und Kippbewegungen der Knorpel. Neben der Weite und Spannung der Stimmritze wird dadurch auch die Form des Kehlkopfeingangs beeinflusst.
Knorpel
Man unterscheidet vier große Knorpel, die das Kehlkopfskelett bilden. Bis auf den Kehlkopfdeckel (Epiglottis), der aus elastischem Knorpel besteht, sind alle Teile des Kehlkopfskeletts aus hyalinem Knorpel geformt.
Kehlkopfdeckel (Cartilago epiglottica, Epiglottis)
- Form: Knorpelplatte, die einem Fahrradsattel/Tischtennisschläger ähnelt
- Lage und Aufbau: Ventral ist die Spitze (Petiolus) an der Innenseite des Schildknorpels befestigt, davor liegt ein größerer Fettkörper (Corpus adiposum preepiglotticum)
- Funktion: Aspirationsschutz: Schluckakt → Anheben des Kehlkopfes → Druck der Epiglottis gegen ventral gelagerten Fettkörper (Widerlager) → Schluss des Kehlkopfeingangs
Schildknorpel (Cartilago thyroidea)
- Form: Schildförmig
- Lage und Aufbau: Zwei Platten, die in der Mitte winklig miteinander verbunden sind
- Ventral: Prominentia laryngea (oberer Rand)
- Dorsal: Cornu superius und -inferius bilden die Ansatzpunkte für Bänder
- Funktion: Größter Knorpel des Larynxskeletts, Ansatzpunkt für Muskeln und Bänder
Ringknorpel (Cartilago cricoidea)
- Form: Siegelringförmig
- Lage und Aufbau
- Dorsal: Ringknorpelplatte (Lamina cartilaginis cricoideae)
- Craniodorsal: Gelenkfläche für Aryknorpel (Facies articularis arytaenoidea)
- Lateral: Gelenkfläche für Schildknorpel (Facies articularis thyroideae)
- Ventral: Bogen (Arcus cartilaginis cricoideae)
- Funktion: Basis des Kehlkopfskeletts und Verbindungselement zu Schildknorpel und den Stellknorpeln
Stellknorpel (Cartilago arytaenoidea)
- Form: Ähnelt einer Pyramide mit drei Seiten
- Lage und Aufbau: Paarig angeordnet, auf beiden Seiten dem Ringknorpel (an der Facies articularis arytaenoidea) aufliegend
- Boden hat zwei Fortsätze: Proc. muscularis und Proc. vocalis
- Spitze (Apex) mit Spitzenknorpel (Cartilago corniculata)
- Funktion: Regulieren die Weite der Stimmritze
Gelenke
Über zwei Gelenke werden Weite und Stellung der Stimmritze reguliert.
Gelenk | Gelenktyp | Verbindung | Funktion |
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Articulatio cricothyroidea | Zwischen Cornu inferius des Schildknorpels und der hinteren Seitenfläche des Ringknorpels | Reguliert die Länge und Spannung der Stimmbänder | |
Articulatio cricoarytaenoidea | Roll-Gleitgelenk | Zwischen Basis der Stellknorpel und Oberrand der Ringknorpelplatte (Facies articularis arytenoidea) | Ermöglicht eine Erweiterung oder Verengung der Stimmritze |
Bänder und Stimmritze
Bänder und Membranen
Die Bänder und Membranen des Kehlkopfs halten die Knorpel zusammen. Von besonderer Bedeutung sind die Stimmbänder, die die Stimmritze formen und der Stimmerzeugung dienen.
Innerer Bindegewebsapparat
Stimmbänder (Ligg. vocalia)
- Feinbau: Paarig angelegt, bestehend aus elastischen Fasern
- Verlauf: Zwischen Procc. vocales der Stellknorpel und Innenfläche des Schildknorpels
- Funktion
- Formen mit dem M. vocalis die Stimmritze → Phonation
- Beeinflussen die Tonhöhe durch Länge und Spannung → Je höher die Spannung, desto höher die Tonfrequenz
Lig. cricothyroideum medianum (Lig. conicum)
- Feinbau: Besteht aus elastischen Fasern
- Verlauf: Vom Unterrand des Schildknorpels zum Bogen des Ringknorpels, geht nach craniodorsal in den Conus elasticus über
Conus elasticus
- Feinbau: Bindegewebe mit elastischen Fasern, Form abhängig von Stellung der Stimmbänder
- Verlauf: Von der Innenseite des Ringknorpels zum Stimmband
Membrana quadrangularis
- Feinbau
- Bindegewebe mit teilweise eingelagerten elastischen Fasern
- Der Unterrand ist beidseits verstärkt und formt die Taschenbänder (Ligg. vestibularia)
- Verlauf: Zwischen Epiglottis, Taschenbändern und den Stellknorpeln
Äußerer Bindegewebsapparat
Membrana thyrohyoidea
- Feinbau: Bindegewebe mit elastischen Fasern
- Verlauf: Verbindet den Oberrand des Schildknorpels mit dem Zungenbein
- Funktion: Überträgt Verschiebungen des Zungenbeins auf den Schildknorpel
- Besonderheit: Besitzt beidseits Öffnungen für die A. und V. laryngea superior und den R. internus des N. laryngeus superior (aus N. vagus)
Koniotomie
Bei einer lebensbedrohlichen Atemnot (wie z.B. bei einem Glottisödem) kann bei abfallender Sättigung oder frustranen Intubationsversuchen als Ultima Ratio eine Koniotomie durchgeführt werden. Hierbei wird ein künstlicher Atemweg geschaffen, indem man erst Haut und Unterhautfettgewebe und dann die oberflächliche und mittlere Halsfaszie sowie das etwas tiefer liegende Lig. cricothyroideum medianum (sog. Lig. conicum) quer durchtrennt und anschließend eine Kanüle oder einen Tubus in die Trachea einführt.
Stimmritze
- Definition: Spaltförmiger Raum zwischen beiden Stimmlippen (enthalten die Stimmbänder), dessen Weite die Lautstärke der Stimme bestimmt
- Abschnitte
- Stimmbandanteil (Pars intermembranacea)
- Vordere ⅔ der Stimmritze
- Anteil vor den Procc. vocales der Stellknorpel
- Von den Plicae vocales begrenzt
- Stellknorpelanteil (Pars intercartilaginea)
- Hinteres Drittel der Stimmritze
- Zwischen beiden Stellknorpeln
- Stimmbandanteil (Pars intermembranacea)
- Stellungen der Stimmritze
- Atemstellung
- Position der Stellknorpel: Procc. vocales der Stellknorpel werden nach außen gedreht → Stimmbandanteil und Stellknorpelanteil der Stimmritze werden geöffnet
- Ergebnis: Stimmritze weit und entspannt → Atemluft kann ungehindert durchströmen
- Dominierender Muskel: M. cricoarytaenoideus posterior
- Phonationsstellung
- Position der Stellknorpel: Stellknorpel nach innen gewinkelt → Stimmbandanteil und Stellknorpelanteil der Stimmritze liegen einander an → Stimmritze locker geschlossen und angespannt
- Ergebnis: Durch Luftstrom werden die Stimmbänder und somit auch die Luft in Schwingung versetzt → Stimmbildung (Phonation)
- Dominierende Muskeln: M. thyroarytaenoideus (+ M. vocalis) , M. arytaenoideus transversus, M. cricothyroideus
- Flüsterstellung
- Position der Stellknorpel: Stellknorpelanteil ist geöffnet , Stimmbandanteil geschlossen
- Ergebnis: Es kann keine Phonation stattfinden, die Stimmbildung erfolgt nur durch Artikulation im Mund-Rachen-Raum
- Dominierender Muskel: M. cricoarytaenoideus lateralis
- Atemstellung
Muskeln
Die Feinabstimmung der Kehlkopfbewegungen erfolgt durch kleine Skelettmuskeln, die als Kehlkopfmuskeln bezeichnet werden. Man unterscheidet eine anatomische von einer funktionellen Einteilung.
- Anatomische Einteilung (nach Lage und Innervation)
- Äußere Kehlkopfmuskeln
- Muskel: M. cricothyroideus
- Innervation: N. laryngeus superior (R. externus)
- Innere Kehlkopfmuskeln
- Muskeln: Alle übrigen Kehlkopfmuskeln
- Innervation: N. laryngeus inferior (Endast des N. laryngeus recurrens)
- Äußere Kehlkopfmuskeln
- Funktionelle Einteilung: Je nach Funktion werden die Kehlkopfmuskeln zusätzlich in Spann- oder Stellmuskeln eingeteilt
- Stellmuskeln: Verändern die Stellung der Stellknorpel
- Spannmuskeln: Verändern die Spannung der Stimmritze
Funktionelle Einteilung der Kehlkopfmuskeln | |||||
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Muskel | Ursprung | Ansatz | Funktion → Wirkung auf Stimmbänder | Innervation | |
Spannmuskeln |
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Stellmuskeln |
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Der M. cricothyroideus ist der einzige äußere(!) Kehlkopfmuskel und wird als einziger Muskel vom R. externus des N. laryngeus superior und nicht vom N. laryngeus inferior innerviert!
Rekurrensparese
Eine Schädigung des N. laryngeus recurrens kann zur sog. Rekurrensparese führen (wovon der durch den N. laryngeus superior innervierte M. cricothyroideus natürlich nicht betroffen ist). Bei einer einseitigen Rekurrensparese sind alle inneren Kehlkopfmuskeln dieser Seite ausgefallen, sowohl der Stimmritzenöffner (M. cricoarytaenoideus posterior) als auch die Schließer der Stimmritze (M. cricoarytaenoideus lateralis, M. arytaenoideus obliquus und transversus). Dadurch steht das ipsilaterale Stimmband auf der betroffenen Seite still, meist in Paramedian- bzw. Medianstellung. Durch den unvollständigen Verschluss der Stimmritze in Phonationsstellung kommt es zu Heiserkeit, das kontralaterale bewegliche Stimmband ermöglicht jedoch eine unbeeinträchtigte Atmung. Hingegen kann eine beidseitige Rekurrensparese – je nach Stellung der Stimmbänder – zu inspiratorischem Stridor und starker Atemnot führen, da nun beidseits der einzige Stimmritzenöffner (der M. cricoarytaenoideus posterior, auch „Postikus“ genannt) ausgefallen ist.
Kehlkopfetagen
Zwei Schleimhautfalten teilen den Innenraum des Kehlkopfs in drei Etagen ein. Diese Einteilung erlaubt eine exakte Befundbeschreibung der Kehlkopfschleimhaut.
- Schleimhautfalten
- Taschenfalten (Plicae vestibulares)
- Enthalten die Taschenbänder
- Die beiden gegenüberliegende Taschenfalten formen die Rima vestibularis
- Stimmfalten (Stimmlippen, Plicae vocales): Befinden sich knapp unterhalb der Taschenfalten
- Enthalten die Stimmbänder
- Reinke-Raum: Lockeres Bindegewebe zwischen dem Epithel der Stimmfalten und den Stimmbändern
- Zwischen den Stimmfalten befindet sich die Stimmritze (Rima glottidis)
- Enthalten die Stimmbänder
- Taschenfalten (Plicae vestibulares)
- Kehlkopfetagen
- Supraglottischer Raum (Vestibulum laryngis): Zwischen Kehlkopfeingang (Aditus laryngis) und Taschenfalten
- Transglottischer Raum
- Zwischen Taschenfalten und Stimmfalten
- Besitzt seitliche Ausbuchtung: Ventriculus laryngis (Morgagni-Tasche)
- Formt einen Resonanzkörper
- Die Wand enthält gemischte Drüsen zum Befeuchten der Stimmlippen
- Subglottischer Raum: Von Stimmfalten bis zum Beginn der Trachea
Das sog. Reinke-Ödem ist eine meist beidseitige ödematöse Schwellung der Stimmlippen im Reinke-Raum, also zwischen Epithel und Lig. vocale. Es tritt insb. bei Frauen mittleren Alters auf. Zu den häufigsten Risikofaktoren zählen Rauchen (in >90%) und Stimmbandüberlastungen. Eine tiefe, raue Stimme ist ein häufiges Symptom, selten kommt es auch zu Atemnot mit inspiratorischem Stridor. In der Laryngoskopie sieht man eine dicke kissenartige Schwellung der Stimmlippen.
Laryngozele
Als Laryngozele wird eine Aussackung des Ventriculus laryngis bezeichnet. Sie kann erworben oder angeboren sein und sich durch Dysphonie (Stimmstörung) oder Dyspnoe (Atemnot) bemerkbar machen.
Topografie, Gefäßversorgung und Innervation
Topografie
- Projektion
- Untere Grenze: Unterrand des 6. Halswirbels
- Obere Grenze: Oberrand des 5. Halswirbels
- Lagebeziehungen
- Ventral: Mittleres Blatt der Halsfaszie (Lamina pretrachealis)
- Ventrolateral: Zungenbein, Lobus pyramidalis der Schilddrüse
- Lateral: Schilddrüse (Lobus dexter/sinister)
- Dorsal: Ösophagus
Gefäßversorgung und Innervation
Gefäßversorgung | |
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Arteriell |
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Venös |
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Innervation | |
Motorisch |
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Sensibel |
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Lymphabfluss | |
Lymphstationen |
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Mikroskopische Anatomie des Kehlkopfes
- Kehlkopfschleimhaut
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Epithelien
- Mehrschichtiges, unverhorntes Plattenepithel: Kehlkopfeingang, Stimmlippen
- Mehrreihiges Flimmerepithel (respiratorisches Epithel): Alle übrigen Bereiche .
- Glandulae laryngeales: Muköse Drüsen, die in das Flimmerepithel eingelagert sind und diese befeuchten
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Lamina propria (unterhalb des Epithels)
- Bindegewebe und eine Schicht elastischer Fasern (sog. Membrana fibroelastica)
- Ausnahme: Im Bereich der Stimmlippen ist die Lamina propria besonders locker aufgebaut. Hier fehlen Drüsen und lymphatisches Gewebe
-
Epithelien
Die Epiglottis schirmt die Luftröhre von der Speiseröhre ab. Hier geht deshalb auch das mehrschichtige, unverhornte Plattenepithel des Pharynx in das mehrreihige, respiratorische Flimmerepithel des Larynx über!
Sprechen
Die Stimmbildung erfolgt grundsätzlich im Kehlkopf und wird Phonation genannt. Die hier entstandenen Laute unterscheiden sich noch deutlich von den verstehbaren Sprechlauten. Erst die daran anschließende Artikulation im Mund-Rachen-Raum formt die uns bekannten Sprechlaute.
Phonation (Stimmbildung)
Als Phonation bezeichnet man die Stimmerzeugung im Kehlkopf. Stimmhafte Laute entstehen, wenn die Stimmbänder durch die hindurchströmende Luft in Schwingung versetzt werden. Weite und Spannung der Stimmritze werden durch die Kehlkopfmuskeln und den Luftstrom kontrolliert. Dadurch werden Tonhöhe und Lautstärke beeinflusst.
- Physikalischer Hintergrund der Phonation (Um verstehen zu können, wie die Stimmbildung abläuft, wird zunächst der Bernoulli-Effekt erklärt.)
- Bernoulli-Effekt (sog. Sogeffekt): Beschreibt die Beziehung zwischen der Strömungsgeschwindigkeit und dem Druck innerhalb eines Strömungssystems
- Das Produkt aus Strömungsgeschwindigkeit und Druck ist konstant
- Folglich geht ein Anstieg der Geschwindigkeit mit einem Druckabfall einher
- Bernoulli-Effekt (sog. Sogeffekt): Beschreibt die Beziehung zwischen der Strömungsgeschwindigkeit und dem Druck innerhalb eines Strömungssystems
- Ablauf des Phonationszyklus
- Phonationsstellung der Stimmritze
- Glottis geschlossen, Stimmbänder leicht gespannt (Spannung der Stimmbandmuskeln > Druck unterhalb der Glottis)
- Forciertes Ausatmen
- Der Luftstrom während der Exspiration erhöht den Druck unter der Glottis (subglottischer Druck), bis er ausreicht, um die Stimmbänder zu öffnen (Spannung der Stimmbandmuskeln < subglottischer Druck)
- Luft strömt durch die Glottis und öffnet sie ein wenig
- Da der Luftweg innerhalb der Glottis verengt ist, erhöht sich in diesem Bereich die Strömungsgeschwindigkeit
- Bernoulli-Effekt
- Der schnelle Luftstrom durch die Glottis erzeugt einen Druckabfall zwischen beiden Stimmlippen → Stimmbänder werden zusammengezogen (durch den Druckabfall)
- Glottis ist wieder geschlossen → Zyklus beginnt von Neuem
- Phonationsstellung der Stimmritze
- Ergebnis: Glottis schließt und öffnet sich abwechselnd → Periodische Schwingungen der Stimmbänder → Entstehung des Phonationsschalls (als Stimme wahrnehmbar)
- Tonhöhe: Wird durch Länge und Spannung der Stimmbänder beeinflusst
- Lautstärke: Wird vom erzeugten Exspirationsdruck beeinflusst
Der subglottische Druck schwankt/fluktuiert je nach Glottiszustand (geöffnet oder geschlossen) und ist wichtig für die Stimmbildung!
Prozess der Artikulation (Stimmformung)
Die weitere Ausgestaltung der Laute nennt man Artikulation. Sie findet im Mund-Rachen-Raum statt, der einen sog. Resonanzraum bildet. Je nach Stellung, z.B. der Zunge oder der Lippen werden aus den Lauten (die durch die Phonation entstehen) unterschiedliche Sprachelemente geformt.
- Beschreibung des Vorgangs
- Mund-Rachen-Raum formt einen Resonanzraum
- Resonanzraum besitzt in Abhängigkeit von der Form unterschiedliche Resonanzeigenschaften
- Hintergrundwissen
- Der Mund-Rachen-Raum besitzt je nach Form eine charakteristische Eigenfrequenz
- Der Phonationsschall wiederum enthält ein Spektrum unterschiedlicher Teiltöne (sog. Obertöne)
- Je nach Form des Resonanzraums werden die verschiedenen Teiltöne entweder verstärkt oder abgeschwächt
- Teiltöne werden verstärkt, wenn sie sich ungefähr mit der Eigenfrequenz des Resonanzraums decken
- Teiltöne werden gedämpft, wenn sie sich von der Eigenfrequenz des Resonanzraums unterscheiden
- Ergebnis: Der Mund-Rachen-Raum filtert den Phonationsschall und formt somit die verstehbaren Sprachlaute
- Hintergrundwissen
- Ergebnis: Entstehung unterschiedlicher Sprachelemente (Phoneme)
- Vokale (Klanglaute): Schwingungen der Luftsäule werden durch den Artikulationsprozess nur wenig verändert
- Konsonanten (Geräuschlaute): Schwingungen der Luftsäule werden durch den Artikulationsprozess deutlich verändert
Die Artikulation findet im Mund-Rachen-Raum statt und formt verständliche Sprachlaute!
Sprache
Im Gegensatz zum Begriff „Sprechen“ – unter dem man den eigentlichen Sprechvorgang versteht – beschreibt die „Sprache“ ein theoretisches Konstrukt, das den Wissensspeicher über Wortschatz, Grammatik und Sprachverständnis umfasst. Zu den Sprachregionen des Kortex zählen die primäre und sekundäre Hörrinde sowie das sensorische und motorische Sprachzentrum. Die Hörbahn endet in der primären Hörrinde, von wo aus die Informationen zur sekundären Hörrinde und an das sensorische Sprachzentrum geleitet werden. Hier gelangen die gehörten Informationen ins Bewusstsein und werden verstanden. Für die sprachmotorische Antwort ist das motorische Sprachzentrum im unteren Frontallappen zuständig.
Primäre Hörrinde
- Funktion: Hörsignale werden interpretationsfrei wahrgenommen
- Lokalisation: Gyri temporales transversi (Heschl-Querwindungen/Areal 41 nach Brodmann)
- Afferenzen: Hörbahn
- Strukturierung: Fasern enden in tonotopischer Anordnung
- Efferenzen: Projizieren (überwiegend) in die sekundäre Hörrinde
Sekundäre Hörrinde und sensorisches Sprachzentrum (Wernicke-Areal)
- Hauptfunktion: Hörsignale werden interpretiert, Grundlage des Sprachverständnisses
- Lokalisation
- Sekundäre Hörrinde (Brodman-Areal 42 und 22): Umgibt die primäre Hörrinde im Gyrus temporalis transversus
- Sensorisches Sprachzentrum (Gyrus temporalis superior okzipital der Area 22): Meist auf der sog. dominanten Hemisphäre
- Afferenzen: Primäre Hörrinde und Gyrus angularis (entsendet Fasern aus dem sekundär visuellen Kortex)
- Efferenzen
- Kortikale Assoziationsfelder zur weiteren Verarbeitung
- Motorisches Sprachzentrum (Broca-Areal)
Motorisches Sprachzentrum (Broca-Areal) [1][2]
- Funktion: Sprachmotorik
- Lokalisation: Gyrus frontalis inferior im Frontallappen (meist auf der dominanten Hemisphäre)
- Afferenzen: Sensorisches Sprachzentrum (Wernicke-Areal)
- Efferenzen: Für die Initiierung und Koordinierung des komplexen Sprechvorgangs sendet das motorische Sprachzentrum efferente Fasern an andere Hirnareale:
- Basalganglien
- Kleinhirn
- Motokortex
Das sensorische Sprachzentrum ist wichtig für das Sprachverständnis. Das motorische Sprachzentrum ist wichtig für die motorische Sprachproduktion!
mOtorisch - brOca - frOntal und sEnsibel - wErnicke - tEmporal
Schaltkreise
Um die zentrale Verarbeitung von Sprache besser zu verstehen, werden hier beispielhaft zwei Schaltkreise genannt:
- Verstehen und Antworten: Akustischer Reiz → Hörbahn → Primäre Hörrinde → Sekundäre Hörrinde → Motorisches Sprachzentrum → Initiation der Sprache über:
- Motokortex (direkt)
- Basalganglien → Thalamus → Motokortex
- Kleinhirn → Thalamus → Motokortex
- Lesen: Visuelle Reize → Sehbahn → Primär visueller Kortex → Sekundäre Sehrinde → Gyrus angularis → Sensorisches Sprachzentrum → Motorisches Sprachzentrum → Initiation der Sprache über:
- Motokortex (direkt)
- Basalganglien → Thalamus → Motokortex
- Kleinhirn → Thalamus → Motokortex
Aphasie
Aphasie ist eine Störung der Sprache, die meist auf eine erworbene Schädigung neuronaler Strukturen (z.B. durch einen Schlaganfall) zurückgeht. Je nach Ort der Läsion unterscheidet man unterschiedliche Aphasieformen:
Aphasie | Ort der Läsion | Leitsymptome | |
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Motorische Aphasie (Broca-Aphasie) |
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Sensorische Aphasie (Wernicke-Aphasie) |
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Globale Aphasie |
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Wiederholungsfragen zum Kapitel Kehlkopf, Sprechen und Sprache
Makroskopische Anatomie des Kehlkopfes
Was versteht man unter einer Koniotomie und welche anatomischen Strukturen werden dabei durchtrennt?
Beschreibe die anatomische Einteilung des M. cricothyroideus nach dessen Lage und Innervation!
Welche beiden Kehlkopfmuskeln führen über eine Veränderung der Stellung der Stellknorpel zu einer Verengung der Pars intercartilaginea der Stimmritze?
Beschreibe die anatomische Einteilung des M. cricoarytaenoideus posterior (sog. Postikus) nach dessen Lage und Innervation! Worin unterscheidet er sich funktionell von allen anderen Kehlkopfmuskeln?
Welche Folgen hat eine einseitige, welche eine beidseitige Schädigung des N. laryngeus recurrens?
Welche Nerven sind für die sensible Innervation des Kehlkopfes zuständig?
Sprache
In welchen Bereichen des Gehirns befinden sich die primäre Hörrinde, das sensorische und das motorische Sprachzentrum?
Welche Symptome sind bei einem Patienten mit einer sensorischen Aphasie zu erwarten?
Welche Symptome sind bei einem Patienten mit einer motorischen Aphasie zu erwarten?
Eine Sammlung von allgemeineren und offeneren Fragen zu den verschiedenen prüfungsrelevanten Themen findest du im Kapitel Beispielfragen aus dem mündlichen Physikum.
3D-Anatomie
In Kooperation mit Effigos bieten wir dir die Möglichkeit, Anatomie auch in 3D zu erfahren. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Neben Komplettmodellen bieten wir dir auch sprach- oder textgeführte Exkurse zu einzelnen Themen. In allen Versionen hast du die Möglichkeit mit den Modellen individuell zu interagieren, z.B. durch Schneiden, Zoomen oder Aus- bzw. Einblenden bestimmter Strukturen. Eine Übersicht über alle Inhalte findest du in dem Kapitel Anatomische 3D-Modelle. Die unterschiedlichen Pakete zu den 3D-Modellen findest du im Shop.
3D-Modell
Exkurse
Meditricks
In Kooperation mit Meditricks bieten wir durchdachte Merkhilfen an, mit denen du dir relevante Fakten optimal einprägen kannst. Dabei handelt es sich um animierte Videos und Erkundungsbilder, die auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend sind. Die Inhalte liegen meist in Lang- und Kurzfassung vor, enthalten Basis- sowie Expertenwissen und teilweise auch ein Quiz sowie eine Kurzwiederholung. Eine Übersicht aller Inhalte findest du im Kapitel „Meditricks“. Meditricks gibt es in unterschiedlichen Paketen – für genauere Informationen empfehlen wir einen Besuch im Shop.
Kehlkopf (Larynx)
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